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Dienstag, 30. September 2014

Wer mit nur einem Schuh einschläft, bekommt Kopfschmerzen: Über das trügerische Verhältnis von Korrelation und Kausalität

Wissenschaft soll Wissen schaffen, die Anzahl der menschlichen Erkenntnisse über die Welt vergrößern. Das Aufzeigen von Zusammenhängen zwischen zwei oder mehreren Variablen ist eine Form von Erkenntnisgewinn. Dieser bleibt u. U. unbedeutend, wenn die weitere Kenntnis über die zugrundeliegende Ursache fehlt oder unwahr ist.

Denn das gleichzeitige Auftreten zweier Ereignisse bedeutet nicht, dass diese ursächlich miteinander zusammenhängen. Korrelationen geben lediglich einen Hinweis auf das Vorliegen eines kausalen Zusammenhangs. Ein Ereignis A kann ein Ereignis B auslösen und umgekehrt. Beide Ereignisse können wechselseitig beeinflussen. Auch kann ein Ereignis C ein Ereignis A und Ereignis B hervorrufen. Ebenso könnte eine Wirkungskette vorliegen: Ereignis C wirkt auf Ereignis A und dieses wiederum auf B (vice versa).

Sonntag, 29. Juli 2012

Die Mär vom richtigen Trinken beim Sport

Kaum ist die erste, ernst zu nehmende sommerliche Wetterlage an Leib und Seele spürbar, sind die einschlägigen Sport- und Gesundheitsredaktionen zur Stelle, um gut gemeinte Trinkempfehlungen zu geben. Dass die landläufigen und leider oft gegenseitig abgekupferten Hinweise auf einem brüchigen Fundament stehen, wird aus jüngst veröffentlichten wissenschaftlichen Publikationen deutlich.

Schenkt man der vor kurzem veröffentlichten Untersuchung "The truth about sports drinks", von BMJ-Redakteurin Deborah Cohen Glauben, dann ist es erschreckend, wenn auch nicht gänzlich überraschend, welchen Einfluss die tiefgreifende Verpflechtung von Wirtschaft, Wissenschaft und Sportverbänden auf die Gestaltung sportmedizinischer Richtlinien und damit auf das Sportlerverhalten hat.

Seit den 70er-Jahren boomt die Sportgetränke-Industrie. Weltweit allen voran die US-amerikanischen Marken Gatorade (PepsiCo), Powerade (Coca Cola) und Lucozade (GSK). Deborah Cohen recherchierte minutiös die Verbindungen der Konzerne zur internationalen Wissenschaft und den einschlägigen Sportverbänden.

Samstag, 12. November 2011

Vier immer währende und kuriose Mythen im Lauftraining

Vor 3 Wochen habe ich meine neue, persönliche Laufsaison eingeläutet, beginnend mit einigen lockeren Dauerläufen und Krafttraining im Fitness-Studio.

Bei den geringen Intensitäten im Dauerlauf und den langen Pausen während des Krafttrainings, ist naturgemäß ausreichend Aufmerksamkeit und Zeit für die Beobachtung des sportlichen Umfelds vorhanden. Und so animierten mich u.a. die jüngsten Beobachtungen zum heutigen Thema: Trainingsmythen im Lauftraining.

Für den ambitionierten Läufer mögen die Schilderungen komisch klingen oder als Schnee von gestern abgetan werden. Doch ich bin überzeugt, dass nicht wenige Lesende dieser Zeilen, dem einen oder anderen Trainingsirrtum selbst erlegen sind - zumindest in den Anfangsjahren der läuferischen Aktivität.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Barfusslaufen Update: Im Westen nichts Neues?

Barfusslaufen: Das wohl derzeit größte Trendthema des Laufsports war in den vergangenen Wochen Gegenstand in vielen einschlägigen englischsprachigen Laufblogs. Ausgelöst durch den größten amerikanischen Sportmedizinerkongress in Denver (ACSM), einer ausführlichen Diskussion im Blog Science of Sport samt Replik bei comeptitor.com. Auf diesen Seiten habe das Thema Barfusslaufen im Mai letzten Jahres erstmalig aufgegriffen. Im Februar 2011 folgte das erstes Update.

Was Euch womöglich interessiert: Was gibt’s Neues zu dem kontrovers diskutierten Trend? Und in wie weit ist regelmäßiges Barfusslaufen eine geeignete Trainingsintervention zur Leistungssteigerung auf der Wettkampfstrecke?

Nun, zunächst beobachte ich, dass blankes Barfusslaufen ein Nischenkonzept geblieben ist. Grund dafür sind die hiesigen Untergrundbeschaffenheiten, die das Verletzungsrisiko per se erhöhen (i.e. Oberflächen aus Beton, Asphalt samt Glas- und Holzsplitter und das damit verbundene Verletzungsrisiko für Haut und Muskel-Sehenapparat).

Samstag, 30. April 2011

Nachbrenneffekt: Hurra, es brennt!

Der letzte Artikel zum Thema Energieverbrauch in verschiedenen Sportarten hat in meinem Bekanntenkreis rege Diskussionen ausgelöst. Im Zuge dessen wurde ich auf einen Aspekt des bewegungsbezogenen Energieverbrauchs hingewiesen, den ich im Artikel aus guten Gründen außen vor gelassen habe: den mythenumwobenen "Nachbrenneffekt". Dieser kennzeichnet die zusätzliche Menge verbrannter Kalorien, die aufgrund der zuvor absolvierten sportlichen Tätigkeit, in Ruhe verbrannt werden.

Im Englischen wird der Nachbrenneffekt mit "EPOC" abgekürzt. Die Bezeichnung steht für "Excess Post Oxygen Consumption".

Mythenumwoben ist der Nachbrenneffekt deshalb, weil unzählige Studien zum Thema existieren, die in ihren Schlussfolgerungen ein Gefälle aufweisen, das sich vom einen Extrem ins andere schlägt. So bescheinigen einige Wissenschaftlicher sehr große Mengen zusätzlicher Kalorien, die nach intensiven Trainingseinheiten in der Ruhephase zusätzlich verbrannt werden. Andere wiederum schließen jegliche Effekte aus.

Dienstag, 29. März 2011

Wissenstransfer als Entwicklungsbremse: Sportwissenschaft vs. Trainingspraxis

Mein Blog ist ein Trainingsblog für ambitionierte Läuferinnen und Läufer. Die Tipps, die ich Euch gebe, generiere ich im Kern aus 2 Quellen: Aus meinem sportwissenschaftlichen Wissensfundus und meinen Erfahrungen in der Praxis. Ob meine Vorschläge bei Euch zu optimalen Resultaten führen, kann ich nicht, und eigentlich niemand abschätzen. Überwiegend führen sie zum (Leistungs-)Ziel. Zumindest bei den Läufern in meinem Umfeld und in meinem Fall. Doch womöglich sind die Trainingsinhalte für andere, vor allem fortgeschrittene Läufer, nicht vollends wirksam. Warum das sein kann, zeigte US-Coach Steven Magness letzte Woche in einem Blogbeitrag zum Thema "Non-responders-Why Science conforms to the average".

Trotz aller Erfahrung, sind v.a. Erkenntnisse aus der Sportwissenschaft und das Durchdringen von Zusammenhängen Entscheidungsgrundlage für die Trainingsgestaltung im Leistungssport. Die meisten Fachbücher und Rahmentrainingspläne sind von Wissenschaftlern oder qualifizierten Trainern verfasst. Die Zahl und Qualität der Erkenntnisse hat sich in den Ausdauersportarten in den letzten 15 Jahren stark entwickelt. In der Praxis gelingt der Wissenstransfer aber nicht immer uneingeschränkt.

Es zeigt sich, dass gesicherte Vorgehensweisen beim einen Athleten funktionieren, beim anderen überhaupt keine Wirkung hervorrufen - insbesondere was die langfristige Entwicklung betrifft. Letzterer Typus, der nach mehrwöchigen - und scheinbar vernünftigen - Trainingsinterventionen ohne Fortschritt bleibt, heißt im wissenschaftlichen Jargon "Non-Responder". Doch was ist die Ursache: "Athletentyp" oder "Stimulus"?

Samstag, 29. Januar 2011

Fettstoffwechseltraining: Eine Episode voller Missverständnisse

In dieser Woche inspirierten mich zwei Alltagsbeobachtungen zum heutigen Beitrag: Zum einen bin ich momentan von nicht wenigen Leuten umgeben, die sich für dieses Jahr eine deutliche Körpergewichtsreduktion zum Ziel gesetzt haben. Vornehmlich sollen die Fettdepots dahin schmelzen. Natürlich nicht die Muskeln. Die „Guten Vorsätze“ eben. Neben ästhetischen Aspekten, steht in Läuferkreisen, auch die Absicht dahinter, durch Diät die Laufleistung voranzubringen. Die Akteure sind dabei oft noch nicht einmal übergewichtig.

Zum anderen fällt mir beim Durchblättern einschlägiger Laufzeitschriften immer wieder auf, wie auf neue Trainings- und Ernährungsgeheimnisse im Rahmen der Mission „Fett weg“ beschworen werden. Ob „Fatburning-Training,“ Ernährungsstrategien, Werbeanzeigen für Nahrungsergänzungsmittel oder Abnehmkuren. Das Thema hat Bedeutung. Doch die Verwirrung, was die Funktionsweise und Zielsetzung des Fettstoffwechsel(training)s angeht, ist nach wie vor groß.